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Das Beste zum Schluss

Neuss Das Beste bei der „Romanischen Nacht“, die der rührige Kantor Joachim Neugart nun zum 14. Mal im Quirinusmünster anbot, war zum Schluss zu genießen: Eine Stunde mit dem Ensemble „Force Fo(u)r Cello.“ Schade, dass wegen der vorgerückten Stunde nicht mehr alle Besucher anwesend waren.

Die vier (Berufs-)Cellisten Christiane Schepping, Dan Zemlicka, Robert Hillebrands und Hans Wilhelm Thielen gründeten im Jahre 2005 auf Initiative Zemlickas, der auch die einfallsreichen Bearbeitungen erstellt, ein Ensemble, das sich jeder Art von Musik widmet, einschließlich Musical, Rock und Pop.

Die ausgezeichnet harmonierenden Musiker nahmen ihr zum Schluss begeistert applaudierendes Auditorium mit auf eine spannende Reise durch die Musikgeschichte.

Diese begann mit einem Chor aus Bachs Weihnachtsoratorium und führte nach mehreren Ausflügen in die Romantik (Krein, Tschaikowsky, Brahms) zum ersten Höhepunkt mit Olivier Messiaen und seinem „Lob auf Jesu’ Ewigkeit“.

Ein fast romantisch anmutendes, großartig interpretiertes Cellosolo wurde von den Kollegen feinsinnig umspielt, zu einem quälend dissonanten Gipfelpunkt gebracht um sich dann wieder in Harmonie aufzulösen.

Mit einem Tango von Piazolla, „Moon over Bourbon Street“ von Sting und „Misty“ von Eroll Garner schaffte es das Quartett, jegliche Müdigkeit zu vertreiben.

„Johannes Brahms und die Romantik in der Chormusik der Moderne“ hieß es im mittleren, ein wenig lang geratenen Programmteil des Abends. Der bestens präparierte Münsterchor, teilweise vom Neusser Kammerorchester unterstützt, zeigte seine hohen Qualitäten zunächst bei Brahms:

„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ und dem wunderschönen Chorsatz „Sankt Raphael“, den die Sänger im Kirchenraum verteilt und von ihrem Kantor Neugart minutiös geführt und lupenrein darboten.

Ein jubelndes „Exsultate Deo“ von Vytautas Miskinis, das spröde „Gloria“ aus der „Berliner Messe“ von Arvo Pärt, sowie Kompositionen von John Rutter und Richard Rodney Benett zeigten, dass die Kirchensänger auch bezüglich der zeitgenössischen Musik keine Berührungsängste haben.

Ein willkommener instrumentaler Ruhepunkt war „Fratres“ für Streichorchester und Percussion, bei dem das Kammerorchester die bei diesem Opus eher spätromantisch orientierten meditativen Klangschichtungen bestens auszukosten wusste.

Nach der großartigen Gestaltung der Titelpartie im „Elias“ (vergangenen Woche in der Christuskirche) war man neugierig, wie Bariton Achim Hoffmann die „Vier ernsten Gesänge“ von Brahms deuten würde.

Doch er sollte (oder wollte) nur das zweite und das dritte Lied singen, und so erreichte er, trotz intensiver und stilgerechter Ausformung, nicht die erhoffte Wirkung. Die Gesänge sollten nicht auseinander gerissen werden, vor allem das letzte, tröstliche „Wenn ich mit Engel- und mit Menschenzungen redete“ darf nicht fehlen.

Am Beginn des Abends stand „Junge Chormusik“ es sang der Jugendchor der House of Hope Choir School in St. Paul. Die 23 Mädchen und Jungen im Alter von etwa zehn bis 17 Jahren begannen sehr zaghaft und vor allem im Sopran ein wenig glanzlos mit recht undankbaren Werken alter Meister.

Doch nach und nach gelang es der agilen Dirigentin Sofia Ardalan, Bestes aus ihren Schützlingen herauszulocken. Mozarts „Ave verum“ und zum Abschluss die „Wayfaring Stranger“, ebenfalls im Kirchenraum verteilt gesungen, sorgten zu Recht für anerkennenden Applaus.

Von Heide Oehmen



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G. Fr. Händel - Passacaglia