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Gelungener Einsatz für Celli und Clownsnase

KONZERT IM WASSERTURM  Das Quartett Force Fo(u)r Cello hat keine Angst vor Grenzüberschreitungen. Das kommt an.

Lank. Ein ganz besonderes Cello-Konzert gab am Freitagabend die Formation „Force Fo(u)r Cello" im Forum Wasserturm. Die Cellisten Robert Hillebrands, Hans-Wilhelm Thelen, Christiane Schepping und der aus der Meerbuscher Musikschule bekannte Dan Zemlicka sorgten für einen harmonischen und amüsanten Abend.

Neben bekannten Stücken wie der „Air" von Bach oder dem „Bolero" von Ravel, die Zemlicka eigens für vier Celli arrangiert hat, gibt es einige Überraschungen.

Bei Sondheims „Send in the Clowns" lernen die Gäste Zemlickas schauspielerische Ader kennen. Während die Musikerkollegen hinter dem Bühnenvorhang verborgen bleiben, tritt Zemlicka mit Clownsnase und knallbunter Fliege an den Buhnenrand, den Gestus großer Sänger imitierend. Dann stümpert er auf dem Cello herum, das ihm Christiane Schepping schließlich entrüstet entreißt. Fortan bearbeitet Zemlicka sein Instrument auf Pantomime-Art, den Klang liefern die Cellisten im Hintergrund.

Seinem Luft-Cello entlockt Zemlicka überzeugend das Sondheim-Stück, wechselt in seiner Darbietung spontan auch das Instrument - kommentiert durch den Ausruf „André Rieu!". Dies provoziert schon vor der Pause großen Beifall.

Dass Zemlicka nicht nur im Bearbeiten von Klassikern Talent beweist, wird im zweiten Part deutlich. Hier ist das Publikum gefragt, denn in „CellOpera - Rund ums Opernhaus" präsentieren die Force Four einen Mix bekannter Kompositionen, darunter die Ouvertüre aus „Wilhelm Tell", Arien aus „Carmen" oder „Die Zauberflöte".

Während die Gäste in einer Liste ankreuzen, welches der aufgelisteten Stücke tatsächlich gespielt wird, legen Christiane Schepping und Hans-Wilhelm Thelen ihre Instrumente beiseite. Schepping bietet mit beeindruckender Singstimme eine Mozart-Arie, Thelen trällert hingegen eher scherzhaft ein Shakespeare-Liedchen. Solch mutiger Einsatz wird mit Jubel und Beifall belohnt.

Die Stücke „La Provence" und „Mariposita de primave- ra / Dónde estabas tu" klingen lebendig, wild aber auch andächtig. Zemlicka hat La Provence zwei Freunden gewidmet: „Ich bin kein Komponist, aber wenn ich komponieren würde, dann so." Seine Noten entführen in eine romantische Welt mit südlicher Sonnenwärme.

Zum Abschluss intoniert das Quartett einen Zusammenschnitt bekannter Titel rund um das Thema „Cinema". Die Filmmusik aus „Psycho" und „Mission Impossible" lässt die Anwesenden mitsummen und regt sie an: Woher kenne ich diese Melodie? Und so endet ein lebendiger und abwechslungsreicher Konzert-Abend. Nachahmenswert.

Von Sara Muck.



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G. Fr. Händel - Passacaglia